Liebe Gönnerinnen, liebe Gönner.

Für uns begann das neue Jahr mit einem Geschenk, denn wir haben es geschafft! Wir sind umgezogen, in unser neues Dörflein. In unser neues Zuhause, wo 25 Kinder und 18 Patienten Schutz und Pflege finden. Zu uns gehören neu auch zwei Hühner und ein Hahn und eine Katze. Und über allem liegt ganz viel glücklicher Kinderlärm. Er erklingt aus unserem grossen Garten, wo alte Mango-, Avocado- und Bananenbäume wachsen. In Adjouffou wurden wir vom Motorenlärm der alten Taxis, die zu starten versuchten, geweckt, und die Flugzeuge des nahe gelegenen Flughafens segneten uns mit ihrem Kerosin, das unsere Lungen verschmutzte und verklebte. Hier in Grand-Bassam haben wir ein herrliches Paar Webervögel, welches uns kurz vor sechs Uhr morgens mit ihrem sehr schönen Gezwitscher weckt, und dann sogar noch zwei kleine freilebende Papageien, die sich bei uns eingenistet haben. Und wir haben – gute Luft. Meine Jugendlichen sagten zu mir:

 „Madame Lotti, das hier, das muss der Vorgeschmack des Paradieses sein …“

Unsere Patienten haben endlich weder Fliegen noch Mücken noch anderes Ungeziefer, das ihnen die Nächte erschwert. Auch schwitzt niemand mehr, denn wir haben Klimaanlagen installiert. Ja, wir sind sehr glücklich hier!

Dany et Rudolph Bebes 3

Der Umzug war eine gigantische Arbeit. Wir zügelten ja gleich drei Institutionen, die sich über die letzten 18 Jahren entwickelt hatten: Das Waisenhaus, das Spital und das Ambulatorium. Es war ein Achttausender, der vor uns lag – eine fast unmenschliche Herausforderung.

Aber wir haben sie angenommen und wir haben es geschafft, dank der Hilfe unseres Personals, das tatkräftig mithalf – auch diejenigen, welche eigentlich in den Ferien waren, kamen alle um zu helfen! Dank Aziz, dank Freunden, dank vielen Händen und Schultern haben wir es geschafft. Auch wenn wir unsere Tetraplegikerin Sylvie in unserer kleinen CAMIONETTE transportieren mussten, wir haben für alles Lösungen gefunden. Unser Ambulanzfahrzeug, das wir vor zehn Jahren von der französischen Botschaft erhalten hatten, durften wir von Staates wegen für die Verlegung unserer Patienten nämlich nicht benutzen, da man neuerdings eine spezielle Erlaubnis braucht, um eine Ambulanz sein Eigen nennen zu dürfen. Und diese Erlaubnis zu erhalten, hätte sechs Monate Papierkrieg bedeutet, sechs Monate Bürokratie. Und   so mussten wir unsere Sylvie von der Tragbahre auf eine Matratze in unsere Camionette legen und unser treues Personal begleitete sie.

Transport Sylvie 2                  Sylvie mit Tochter Carolle 16 J 2

Umzug von Sylvie - es ging auch so...                                                                                    Sylvie's Tochter Carolle war auch in diesen Ferien zu Besuch

 

Sie sehen, wir lassen uns nicht abschrecken von diesem bürokratischen Kram, mit welchem wir immer und immer wieder konfrontiert werden. Wir finden Lösungen. Und sind glücklich, das machen zu dürfen, was wir auch hier in Grand-Bassam weiterhin genauso tun wollen wie in Adjouffou: Leben retten, unseren Nächsten helfen, und das alles aus freien Stücken und in grosser Freude und Glück und mit Liebe.

Es gibt auch jetzt noch, nach unseren ersten drei Wochen in diesem schönen neuen Zuhause, sehr viel Arbeit, daneben müssen sich alle einleben. Aber das Ambulatorium ist bereits offen, und wir haben von Tag zu Tag mehr Patienten, die kommen, um sich hier bei uns behandeln zu lassen. Und auch im Spital haben wir schon Menschen aufgenommen, darunter drei sterbende Kinder, die an hoher Blutarmut und Malaria litten und die wir retten konnten.

Für unsere Kinder haben wir eine gute private Schule  gefunden, die nicht sehr weit entfernt ist von unserem neuen Zuhause, und in Grand-Bassam gibt es alles, was wir für unseren täglichen Bedarf, wie Essen und Medikamente, brauchen. Man hat uns einen sehr freundlichen Empfang bereitet. Unser neues Zuhause ist umringt von Slums, und da es hier keine Institution wie die unsere gibt, sind wir genau am richtigen Ort angekommen, um weiterhin so zu helfen, wie wir das in Adjouffou gemacht haben. Und die Mütter und Kinder und unsere Patienten, die wir seit Jahren unterstützen, finden den Weg zu uns, das ist alles geregelt, wir haben niemanden zurückgelassen.

Centre Bassam 2 Ambassade 2                          Garten Bassam Karrusell 2

Dank Ihnen allen dürfen wir nun, nach 18 Jahren, ein neues schönes Zuhause haben                        Fröhlicher Kinderlärm unter alten Bäumen

und weiterhin das tun, was wir am liebsten tun – helfen.

 

Wir haben, zusammen mit dem Personal, entschieden, uns KEINE Weihnachtsgeschenke zu machen, denn unser neues Heim ist das wohl grösste Geschenk, das wir uns erhoffen durften. Und dann haben wir Geld gesammelt, um Seife, Sardinen, Waschmittel, Erdnussöl, Reis etc. zu kaufen, um damit 300 kleine Päckli zu schnüren, die wir den Einwohnern des Slums direkt hinter unserem neuen Heim zu Weihnachten schenkten. Die Freude war riesig. Auf beiden Seiten!

Da wir hier genügend Platz haben, haben wir uns auch entschlossen, eine ganz kleine Kapelle und einen kleinen Moscheeraum zur Verfügung zu stellen , so dass unsere Patienten, unser Personal und auch unsere Kinder zu jeder Tages- und Nachtzeit einen ruhigen und geschützten Platz zum Beten haben. Vor diesen gesegneten Plätzen machten wir an Weihnachten ein Feuer und haben dann, umringt von Dutzenden von Kerzen, unser Fest begonnen. Wir haben gesungen, Geschichten erzählt, gebetet und gedankt. Es war wunderschön. Sylvie haben wir auf ihrer Tragbahre zu uns geholt, so konnte auch sie dabei sein. Genau wie ihre 16 Jahre alte Tochter die, wie immer, in den Ferien bei uns ist. Unser Weihnachtfest war sinnlich, fröhlich, gesegnet. Wie sehr, das zeigen die folgenden Photos.

Weihnachtsfeier Bassam Lotti und Sylvie 2    Weihnachtsfeier Bassam 0 2   

Auch Sylvie durfte an unserem Weihnachtsfest teilnehmen

Weihnachtsfeier Bassam 2 2        Weihnachtsfeier Bassam 4 Feuerwerk 2

So sollte Weihnachten sein – Liebe, Gemeinsamkeit, Frieden.

 

Und genau das – Liebe, Gemeinsamkeit und Frieden wünsche ich Ihnen aus ganzem Herzen und sende Ihnen meinen aufrichtigsten, ganz grossen, innigsten Dank für Ihre Hilfe. Gott segne Sie!

Lotti Latrous