Liebe Gönnerinnen, liebe Gönner

Davila lässt grüssen
Ich hoffe von ganzem Herzen, dass es Ihnen gut geht, und bin selbst ganz glücklich, wieder einmal zur Feder zu greifen und Ihnen eine schöne Nachricht überbringen zu können. Denn: Davila, die uns vor bald sechs Monaten sterbenskrank gebracht worden war und von der ich Ihnen im letzten Trimesterbrief erzählt habe, geht es wie durch ein Wunder gut! Sie ist glücklich, denn sie kann nun bei den anderen Kindern weilen, und das Tag und Nacht. Sie hat ihr Bettchen bei den Grossen und wir sind guter Dinge, dass es ihr bald so gut geht, dass wir sie einschulen können.

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Davila ganz unten links beim Spaghetti essen                                                           Unsere Kleinsten


Ferienkolonie Juli 2018
Es ist nun schon das vierte Jahr, dass wir für unsere Kinder eine hauseigene Ferienkolonie organisiert haben. Dazu laden wir jeweils auch bis zu zehn Kinder ein, die aus ganz armen Verhältnissen kommen, damit sie bei und mit uns eine unvergessliche Zeit erleben können. Vierzehn Tage nur Freude, Tanz, Theater, Gesang, Basteln, Sport und viel gutes Essen! Auch diese Kinder haben Aids, sie werden bei uns schon längst behandelt und können dank Ihren Spenden in die Schule, aber ihr Leben in den Slums ist schwer. Ich habe mich einmal gefragt, ob es denn Sinn macht, Kinder aus den Slums einzuladen, ihnen das Leben zu zeigen, das unsere Kinder haben, um sie dann zurückzuschicken in ihr Elend. Und meine Antwort war und ist: JA! Ein grosses Ja, denn sie haben etwas, das unsere Kinder hier nicht haben, sie haben eine Mutter. Und das ist mehr wert als alles Gold der Welt. Auch wenn sie arm ist, es ist ihre leibliche Mutter, welche zwar auch mit dem HI-Virus infiziert, aber dank der Medikamente, die wir ihr geben, gesund ist und sich um ihre Kleinen kümmern kann. Und so dürfen diese Kinder auch ein paar Tage Erfahrungen machen, von denen sie ihr Leben lang zehren werden. Es sind wunderschöne Momente des Glücks, und das Lachen und die Freude schiebt ihr schweres Schicksal in den Hintergrund.

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Mein Herzensprojekt (eines von vielen)
Ich möchte Ihnen nun zeigen, wo wir schon seit fast zwei Jahren unser wunderschönes neues Zuhause haben. Der neue Platz für uns sollte ja wieder in einem Slum sein, aber das war nicht möglich, da viele Slums abgerissen werden und es in anderen keinen leeren Flecken Land gibt. Als ich das Grundstück hier in Grand-Bassam fand, sah ich als erstes, dass es ein schwierig bebaubares Land war, ja fast ein Sumpf, und als zweites, dass sich dahinter ein Slum befindet. Ein ganz, ganz armes Dorf, welches «Odoss» heisst, mit Tausenden von Einwohnern, die in grösster Armut leben. Wir hätten gerne sofort geholfen, mussten uns aber zuerst installieren und schauen, dass wir alle unsere Patienten, die von weither kamen, weiterbetreuen konnten. Wir machten in Odoss aber auf uns aufmerksam, sagten, dass die Bewohner alle zu uns ins Centre kommen können, wenn sie ein gesundheitliches Problem haben, und wir ihnen helfen werden, was sich schnell herumgesprochen hat.

Jetzt, wo wir wirklich angekommen sind und unsere Wurzeln geschlagen haben, sind Aziz und ich vor ein paar Wochen bei den Dorfältesten vorbeigegangen und haben uns richtig vorgestellt. Wir sind sehr herzlich aufgenommen worden. Wir erkundigten uns mit ganz spezifischen Fragen nach dem Wohlergehen der Bevölkerung. Und uns wurde gesagt, dass es viele alte, alleinstehende Menschen gibt, die nichts zu essen hätten, wenn die Nachbarn ihnen nichts abgeben würden. Diese Nachbarn sind selber sehr arm und müssen an allen Ecken und Enden sparen, damit das Gehalt als Tagelöhner – wenn sie Glück hatten, Arbeit zu finden – genügt, um die eigene Familie zu ernähren. Aber offenbar ist der Gemeinschaftssinn in Odoss sehr gross und man hilft einander wo man kann. Uns wurde auch erzählt, dass es viele Witwen im Dorf hat. Alte aber auch junge mit Kleinkindern, die abends hungrig ins Bett müssen. Und dass es viele kranke Menschen gibt, die überhaupt kein Geld haben, um zu einem Arzt gehen zu können. Wir haben die Dorfältesten dann gefragt, ob sie es akzeptieren würden, wenn wir ein Projekt für Odoss organisieren würden.

Schon auf dem Weg zurück ins Centre haben Aziz und ich Pläne geschmiedet und haben uns dann mit unseren Sozialarbeitern zusammengesetzt. Jetzt sind wir am Planen. Als Allererstes wird ein Sozialassistent, der bei uns ein Praktikum macht, damit beauftragt werden, während drei Monaten das ganze Gebiet zu besuchen, um die Menschen zu finden, die unsere Hilfe am nötigsten und dringendsten brauchen. Und wenn er uns am Ende seines Arbeitstages dann jeweils Bericht erstattet, werden wir unsere Sozialarbeiter und Krankenschwestern zu den einzelnen Menschen schicken, die nicht mehr warten können, bis wir unser Projekt so ideal aufgebaut haben, wie wir uns das wünschen. Dazu wird dann auch gehören, dass wir einmal pro Monat Lebensmittel verteilen. Mehr dazu werde ich Ihnen später schreiben können.

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Dann hoffentlich auch von dem 75-jährigen Mann, der in diesem Dorf wohnt und mit einem amputierten Bein und einer nicht heilen wollenden Wunde am Stumpf auf einer Strohmatte in seiner überhitzten Hütte am Boden schläft. Da er kein Geld hat – das für die Beinamputation musste er sich zusammenbetteln – wird er im lokalen Krankenhaus nicht mehr behandelt. Wir haben ihn erst vor ein paar Tagen kennengelernt und sind jetzt daran, ihn und seine Frau davon zu überzeugen, dass wir ihm helfen können, wenn sie sich dazu entschliessen, dass er zu uns kommt. Wir erklären ihnen, dass wir ihn hier medizinisch versorgen, jeden Tag seinen Stumpf neu einbinden und die richtigen Medikamente für ihn finden werden. Wir haben ihnen auch erklärt, dass er bei uns nicht nur jeden Tag zu essen bekommen wird, sondern wir ihm und seiner Frau eine Matratze und Betttücher kaufen werden, damit er bei seiner Rückkehr nach Hause nicht mehr auf dem Boden schlafen muss, und dass unsere Krankenschwester ihn von da an regelmässig besucht, um zu sehen, wie es ihm geht, und dass er für all das nichts zahlen muss.

Wir sind also, so wie früher von Adjouffou aus, wieder in den Slums unterwegs, und das ist meine grösste Freude. Ich liebe diese Hausbesuche, denn diese Menschen strahlen, obwohl sie bitterarm sind, eine grosse Dankbarkeit aus, sie sind sehr freundlich und extrem grosszügig. Immer wird mir Tee angeboten, immer der beste Stuhl, und das nicht, weil ich weiss bin oder die Gründerin der Centers, nein, sondern weil es in ihrer Kultur und Tradition liegt, Besucher würdig zu empfangen, und sei es mit dem einzigen vorhandenen Stuhl oder einem Glas Wasser. Diese Menschen liebe ich aus ganzem Herzen, denn sie haben ein Urvertrauen, das unendlich zu sein scheint, sie akzeptieren ihr Leben ohne zu murren und sind dankbar auch für die kleinste Hilfe. Sie sind wichtig für uns, und das zeigen wir ihnen. Und das wiederum ist für sie fast unglaublich.

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Glücklich, ein Dorf zu haben, glücklich, Menschen in der Not beistehen zu dürfen.

Ich bedanke mich bei Ihnen aus ganzem Herzen, uns diese Möglichkeit zu helfen zu geben. Danke für Ihre Unterstützung und Ihr Vertrauen. Die Welt von Tausenden von Menschen ist besser dank Ihrer Nächstenliebe. Gott begleite Sie – ich wünsche Ihnen alles Liebe.

Herzlich,

Lotti Latrous