• Reanimation

    Hebammen werden von Hans Werder in Reanimation weitergebildet.

  • Formation

    Weiterbildungskurs in Reanimation.

  • Sonografie

    Periodische Visiten: Eine Schwangere wird per Ultraschall untersucht.

  • Kontrolle

    Kontrolluntersuchung mit Ultraschallgerät und digitaler Datenauswertung unter Supervision von Hans Werder.

  • Vorher

    Die Infrastruktur wurde renoviert: Ein Gebärsaal mit Gebärbett vor Renovation...

  • Nachher

    ...und nachher.

  • Hebammen

    Hebammen wurden mit modernen Instrumenten ausgerüstet.

  • Hans-Ouattara

    Zwei Ärzte: Dr. Hans  und Dr. Ouattara.

  • Hebammenteam

    Das Hebammenteam des Hôpital Général.

  • Blutspende

    Blutspendeaktion im Rahmen des Projektes "Clinique Mobile"

  • Schwangere

    Schwangere Frauen warten auf die Untersuchung in einem Dorf.

  • Männer

    Männer von Aklodj interessieren sich für unsere Arbeit.

von Hans Werder, Juni 2014

Projektentwicklung

2010 war ich mit meiner Frau während fünf Wochen in ärztlicher Mission im Albert Schweitzer-Spital in Lambarene tätig. Es war ein Jahr nach meiner Pensionierung als Chefarzt im Kantonsspital Uri.

Die erlebten Eindrücke waren sehr nachhaltig und liessen uns keine Ruhe. Zwei grosse Problemkreise aus gynäkologisch-geburtshilflicher Sicht nahmen wir zur Kenntnis:

  1. Mütter-und Säuglingsterblichkeit
  2. Problem der Kinderlosigkeit

Zwei Problemkreise, die nicht widersprüchlicher sein könnten. Im gleichen Jahr lud mich Dr. Ruedi Leuppi, Urologe aus Zug, der seit 2004 mit seiner Stiftung ein Spital (Hôpital Méthodiste de Dabou) in Côte d’Ivoire unterstützt, zu einer Mission nach Dabou ein, um ihn zu beraten, wie man die gynäkologisch-geburtshilfliche Situation verbessern könnte. Wir mussten zur Kenntnis nehmen, dass die hohe Müttersterblichkeit kein länderspezifisches Problem ist, sondern mehr oder weniger ganz Afrika betrifft.

 

Müttersterblichkeit in Afrika

  • 530'000 Mütter sterben jährlich während der Schwangerschaft und Geburt, davon über die Hälfte in Afrika. Millionen Mütter erleiden schwere Gesundheitsschäden (Fisteln, Sterilität, psychische Traumata).
  • In Afrika sterben auf 100'000 Geburten 500 - 800 Frauen unter der Geburt, in der Schweiz etwa fünf.
  • Auf 1000 Geburten sterben im Durchschnitt 60 - 80 Neugeborene, in den Industrieländern etwa vier.

Umdenkprozess

Folgende katastrophale Situationen beobachten wir bei Spitaleintritt:

  • Schwere Schockzustände oder Tod nach schweren Blutungen
  • Gebärmutterruptur nach verschleppter Geburt
  • Verschleppte Lageanomalien
  • Schwangerschaftsvergiftung (in Zusammenhang mit Bluthochdruck)
  • Frühgeburten / nicht erkannte Mehrlingsschwangerschaften
  • Eileiterschwangerschaften mit hohem Blutverlust

Ich musste feststellen, dass wir diese traurige Statistik nicht verändern können, trotz verbesserter Ausbildung der Hebammen und Ärzte, Verbesserung der medizinischen Instrumente und Einführung moderner geburtshilflicher Medikamente. Die Frauen kamen meistens zu spät in die Klinik, sei es weil die Transportwege zu beschwerlich waren, aus Unkenntnis des bestehenden Schwangerschaftsrisikos, aus Geldmangel oder wegen fehlenden Transportmitteln.

Aus dieser Erkenntnis heraus entwickelten wir die Idee der "Clinique Mobile", ähnliches findet man auf der ganzen Welt als SLUMBULANZ (fairmed) oder Doktor-Omnibus und ähnliche Ansätze.

Die Absicht war, die 15 Gesundheitszentren im Distrikt Dabou mit einer mobilen Equipe (einheimische Ärzte, Hebammen, Ultraschallgerät) periodisch regelmässig zu besuchen, um die Probleme vor Ort beeinflussen zu können.

Zur Vorbereitung dieses Projektes besuchten wir 2012 alle Gesundheitszentren, die Hebammen und die Chefs des Villages. Die Situationen bezüglich Infrastruktur, sanitäre Anlagen, Ausrüstung der Hebammen etc. waren sehr bedrückend.

Start im April 2012

2012 entschloss der Stiftungsrat der Stiftung Lotti Latrous, das Projekt zu unterstützen.

Was beinhaltet das Projekt?

  • Periodische Visiten in den Gesundheitszentren von Dabou mit Ultraschalluntersuchungen zur Erkennung von Risikoschwangerschaften mit entsprechender Beratung
  • Ausrüstung der Hebammen mit medizinischen Geräten (Fetal Doppler, Beatmungsbeutel etc.)
  • Notfallmedikamente bei Blutungen und Krämpfen unter der Geburt.
  • Renovationsarbeiten (sanitäre Installationen, Maurer-/Malerarbeiten)
  • Fortbildungstagungen für Hebammen und Pfleger zweimal jährlich
  • Sensibilisierung der Verantwortlichen für das Gesundheitswesen in den Dörfern
  • Verbesserter Ambulanzdienst zur Evakuierung bei Notfällen
  • Verbesserung der Kommunikation zwischen Dorf und Klinik
  • Blutspendeaktionen
  • Vorträge für Frauenorganisationen (Krebsvorsorge).


Bilanz nach 1 Jahr "Clinique Mobile" Ende Dezember 2013

  • Die Zusammenarbeit mit den Hebammen in den Dörfern funktionierte sehr gut
  • Die Akzeptanz für diesen Service publique ist bei den schwangeren Frauen sehr geschätzt
  • Das mobile Team (Arzt, Hebammen) ist sehr motiviert und effizient

Was muss verbessert werden?

Das System "Clinique Mobile" mit dem Ziel, die Mortalitätsrate zu reduzieren, muss auf einem Referenzspital basieren können, das gut ausgerüstet, fachlich kompetent und auch für die  Patientinnen finanziell tragbar ist. Das Hôpital Méthodiste, das unsere Basis war bis Ende 2013, ist als private Struktur organisiert. Die wenigsten Frauen können einen Kaiserschnitt vornehmen lassen, für den 500 Franken bezahlt werden müssen.

Anstelle von Subventionszahlungen unterstützt daher die Stiftung Lotti Latrous das Hôpital Général  beim Bau eines Operationssaales. Dieses Spital hat über 2000 Geburten pro Jahr und muss mangels eines  Operationssaales ca. 30% der Patientinnen weiter evakuieren nach Abidjan mit entsprechendem negativem Ergebnis.

2014 wird für unsere Stiftung und im Besonderen für das Projekt eine grosse Herausforderung werden. Wir hoffen, dass unsere Zielvorstellung - die Reduktion der Müttersterblichkeit, für eine glückliche Zukunft von Mütter und Kinder dieser Welt - gelingen möge.