Lotti Latrous hat einen bemerkenswerten Weg hinter sich: Von der privilegierten Ehefrau und Mutter zur unbeirrten Kämpferin im Slum von Adjoffou. Dort hat aus eigener Kraft ein Spital, ein Ambulatorium und ein Waisenhaus aufgebaut. Damit hat sie Tausenden von Menschen das Leben gerettet.

Für ihren unermüdlichen Einsatz wurde sie mehrfach ausgezeichnet.

 

lotti mit emanuelLotti Latrous wurde 1953 in Bülach geboren. Sie wuchs in Regensberg auf und ging mit sechzehn Jahren als Au-Pair nach Genf, um französisch zu lernen. Dort traf sie den Tunesier Aziz Latrous und damit die Liebe ihres Lebens. Eine Liebe, die in ihrer Grosszügigkeit und ihrem Respekt füreinander wohl einzigartig ist.

Durch die Arbeit Aziz Latrous' als Direktor eine internationalen Nahrungsmittelkonzerns kam die Famillie mit den Kindern Sonia, Selim und Sarah von Jeddah über Nigeria und Kairo nach Abidjan, in die Wirtschaftsmetropole der Elfenbeinküste (Westafrika).

Nach zwei Jahren begann Lotti Latrous im "Mutter Teresa"-Krankenhaus zu arbeiten. Das Elend, das sie, die privilegierte Frau mit Chauffeur, Koch und Swimmingpool dort antraf, veranlasste sie, in Adjouffou, einem der Elendsviertel Abidjans, ein Ambulatorium zu bauen.

Dies mit der vollen Unterstützung ihres Mannes. Kaum war dieses eröffnet, versetzte der Arbeitgeber von Aziz die Familie Latrous nach Kairo zurück.
 
Weil Lotti Latrous das Ambulatorium weiterhin betreuen wollte, handelte sie mit ihrer Familie einen Deal aus: Zwei Monate Kairo, einen Monat Abidjan. Es stellte sich allerdings schnell heraus, dass der Spagat zwischen dem Ambulatorium im Slum und der Familie in Kairo auf die Dauer nicht gemacht werden konnte und eine Entscheidung gefällt werden musste. Eine Entscheidung, die Ehe und Familie zwar hart traf, beides aber nicht zerbrechen liess.

Mittlerweilen leben die erwachsenen Kinder Selim, Sonia sowie Sarah und der pensionierte Aziz in der Schweiz und Lotti im Slum von Adjouffou. Lange Zeit reiste Lotti Latrous - mittlerweilen stolze Grossmutter - wenn immer möglich vier mal im Jahr zu ihrer Familie und wurde von ihr auch oft in Abidjan besucht.

Gesundheitliche Probleme zwangen Lotti Latrous 2012, kürzer zu treten und sich Gedanken über eine mögliche Nachfolge zu machen. 2013 machte sie eine lange Pause in Tunesien und der Schweiz, um sich zu erholen. Seit 2014 arbeitet sie wieder in Adjouffou. Sie wird allerdings nicht mehr wie früher fast das ganze Jahr an der Elfenbeinküste verbringen. Unterstützt wird sie vor Ort von einem personell erweiterten Team.

 

Auszeichnungen, Bücher, Medien

  • 2002 Auszeichnung mit den renommierten Adele-Duttweiler-Preis
  • Dezember 2004 von Leserinnen von "Bild der Frau" zur Frau des Jahres gewähl.
  • 8. Januar 2005 an den "Swiss Awards" zur Schweizerin des Jahres 2004 gewählt
  • zwischen 2002 - 2007 erschienen von der Autorin Gabriella Baumann-von Arx drei Bücher über die Arbeit von Lotti Latrous.
  • 2007 Dokumentarfilm Egoiste - Lotti Latrous des deutschen Filmemachers Stephan Anspichler
  • 2009 DOK-Film auf SRF "Oase im Elend, Lotti Latrous im Slum von Abidjan"